Einführung Lebenskunst ab der Lebensmitte

Einführung Lebenskunst in der Lebensmitte, 50Plus, Kerstin Frei
Einführung Lebenskunst in der Lebensmitte, 50Plus, Kerstin Frei

Lebenskunst ab der Lebensmitte

Einführung

Sendung Radio Maria Österreich 06.03.15

Als Podcast hier zum Nachhören

Teil I:

  • zu mir:

 

Ich befasse mich mit Themen des Älterwerdens und bin dazu ausgebildete Trainerin und Beraterin.

Bis zu diesem Punkt war es ein langer beruflicher und persönlicher Weg.

Einige Stationen auf diesem Weg möchte ich Ihnen vorstellen:

Nach meinem Berliner Studium der Empirischen Kulturwissenschaften Europas und Südamerikas, arbeitete ich als Moderatorin und Redakteurin bei RMS in Bx. Ich begleitete die Sendereihe GLAUBENSFORUM. Ich freue mich daher sehr, wieder für Radio Maria tätig sein zu dürfen, nun aus der anderen Perspektive :-))

Nach Radio Maria wurde ich Referentin für Lebenskunst, Interkulturelles und Literatur an der Katholischen Akademie in Frankfurt a.M. und absolvierte dort den Fernkurs in Theologie (Würzburger Kurs).

Derzeit bin ich freiberufliche Referentin bei den Theologischen Kursen der Erzdiözese Wien für den Kurs „Spiritualität 50+“.

Nun in Wien und im Burgenland - wo ich derzeit lebe - wurde mir nach Ausbildungen zur Trainerin für Lebensqualität im Alter (LIMA) und zur Seniorenberaterin nochmals mehr deutlich, wie sehr ich die Einzelarbeit gerade mit Menschen ab der zweiten Lebenshälfte schätze. 

 

Zu mir persönlich: Ich bin evangelisch getauft und während des Studiums in Berlin zur Katholischen Kirche konvertiert. In der Gemeinde, in der ich auf die Erstkommunion und Firmung vorbereitet wurde, ist eine Pallottinische Gemeinschaft tätig. Dort wurde dann auch eine sog. Unio Gruppe gegründet, in die ich eingetreten bin. 

Was ist die Unio? Eigentlich heißt diese Geistliche Gemeinschaft: Vereinigung des Katholischen Apostolats und wurde von Vinzenz Pallotti in Rom des 19. Jhrdts. gegründet. 

Pallotti schreibt: "Das Katholische, das heißt das allgemeine Apostolat, wie es allen Schichten des Volkes gemeinsam sein kann, besteht darin, das zu tun, was jeder zur größeren Ehre Gottes und für sein eigenes und des Nächsten ewiges Heil tun kann und tun muss" (OOCC III, 143)

Seine Vision des universalen Apostolats war es also, dass alle Gläubigen - unabhängig von der Lebensform - an ihrem und seinem Ort Apostel und Apostelin sein können und verantwortungsvoll in Kirche und Welt wirken. 

 

So lasse ich mich von dieser Vision in meiner Ehe und in meiner Begleitung älterer Menschen motivieren. Mein Gottes-, Menschen- und Weltbild ist christlich begründet und ich versuche, mich immer wieder auch selbst an Gottes Barmherzigkeit zu erinnern … :-)) Trotz Alltag und Sorgen und Nöte…

Und zu meinem ALTER: ich bin 47 Jahre - also noch nicht 50+ - aber ich habe gelernt, dass ich mich nicht früh genug vorbereiten kann, mich mit Fragen zu beschäftigen, die um das Älterwerden kreisen. Und schließlich sind es ÄLTERE Menschen, die mich nachhaltig geprägt haben mit ihren Lebensgeschichten und mit ihrer Haltung zum Leben - allen voran meine Großeltern, Eltern und meine Schwiegereltern. So kommt es, dass ich mich besonders für ältere Menschen interessiere und von ihnen lerne. Das sehe ich auch heute so liebe Hörerinnen … ich lerne von Ihnen! Ich rege mit meinen Fragen vielleicht an, aber die Antworten wissen Sie! 

Und nicht wundern bitte. In meinem Impuls spreche ich mal in der weiblichen mal in der männlichen Form und meine dabei aber immer beide - Hörerinnen und Hörer.

 

  • Nun zum Titel LebensKunst 50+
    Was meint Lebenskunst hier erstmal in aller Kürze? 

Sie meint Selbstsorge  also die Fähigkeit auszubilden, für sich selbst zu sorgen. 

Sie meint auch Fürsorge für andere also die Kompetenz, sich um die Ehe, um die Familie, um Freunde und um Fremde zu kümmern.

Und sie meint  Freude und Dankbarkeit im Leben

 

Zur Praxis der Lebenskunst gehören geistiges und praktisches Einüben; 

geduldiges Wiederholen; 

und auch kritisches Reflektieren von Selbst und Welt. 

Es geht hierbei ganz viel um Erfahrung

 - fachliches Wissen wird immer am Leben erprobt. Fachwissen ist auf das Leben hin bezogen. Nur Faktenwissen nützt uns in der konkreten Lebensbewältigung recht wenig. 

Erfahrungen, das praktische Wissen, mit dem beschäftigen wir uns hier genauer.

 

Auch in meiner Arbeit als Beraterin und -Trainerin für Menschen ab der Lebensmitte stütze ich mich auf meinen christlichen Glauben. Mein Zugang basiert daher auf dem Verständnis von Christlicher Lebenskunst. Und so gehe ich auch die Themen und Fragen an, die die Menschen - vielleicht auch Sie - bewegen:

 

  • Was ist LebensKunst? Nun ich beginne erstmal mit einer Reihe Fragen, die alle auch in das Feld der Lebenskunst passen, da es vielleicht auch IHRE Fragen sind:

 

Befinden Sie sich in einem Alter so ab 50+, 

also wie man sagt in der 2. Lebenshälfte - 

ein Alter, von dem Sie immer dachten: 

„Ich habe es geschafft und von jetzt an kann ich das Leben genießen?“ 

Doch das Leben hat sich anders entwickelt.

Sind Sie in einer Übergangsphase in der es Ihnen nicht so leicht fällt, Altes zu verabschieden und Neues zu begrüßen? 

Müssen Sie sich neuen beruflichen Herausforderungen stellen?

Sind Sie konfrontiert mit persönlichen Veränderungen z.B. in Puncto Gesundheit?

Gibt es neue Spannungen in der Familie? Gerade jetzt im Älterwerden könnten Sie gute intakte familiäre Beziehungen nötig gebrauchen?

Leiden Sie unter Verlusten? Haben Sie die Arbeit z.B. verloren? 50+ ist in unserer Zeit leider nicht mehr die attraktivste Bewerberschicht für den Arbeitsmarkt ….

Quälen Sie Existenzängste weil die Pension so klein geraten ist?

Ist Ihre Ärztin die einzige Person, zu der Sie in Ihrer Krankheit noch Vertrauen haben?

Ist Ihnen einfach die Freude und der Sinn am Leben abgegangen?

 

Wie kann dieses Leben im Älterwerden gelingen?

 

Sie sehen das Feld ist groß - ich wähle für die Sendereihe LebensHILFE auch erstmal gar keinen philosophischen Aspekt aus. Denn eigentlich kommt der Begriff LebensKunst ja aus der Antiken Griechischen Philosophie. Wir können uns von der Philosophie für unser Praktisches Leben anregen lassen. 

Uns interessiert hier allerdings der Aspekt der LebensBewältigung; der Kunst, sein Leben zu gestalten - trotz aller Widrigkeiten, aller Herausforderungen - im Älterwerden und einfach im ALTER.

 

  • 50+ / ab der Lebensmitte - zum ALTER - ab wann sind wir ALT?

Für diese Sendung haben wir uns entschieden, den Titel LebensKunst 50+ zu wählen.

Ich sage auch gerne LebensKunst ab der LebensMitte.

Freilich beginnt die LebensMitte früher als mit 50 Jahren. 

Es geht wirklich nicht um eine genaue Bestimmung Ihres Lebensalters. 

Es geht darum, den Übergang von der ersten Lebenshälfte zur zweiten in den Blick zu nehmen. 

Und die Lebens- und Glaubensfragen älterer Menschen zum Thema zu machen. 

 

Wann beginnt ALTER denn überhaupt?

Haben Sie sich das schon mal gefragt? 

Fühlen Sie sich alt? 

Sind Sie alt? 

Wer bestimmt, ab wann Sie alt sind?

Dazu ein kleiner Ausschnitt eines Texts des nunmehr verstorbenen P. Joop Roeland. Er war Augustiner Eremit und langjähriger Rektor in der Ruprechtskirche in Wien. 

 

„Bei Patienten im fortgeschrittenen Alter (über 60 Jahre) ist vorsichtig zu dosieren.“ Das las ich auf der Beipackung eines Medikaments. Nicht ohne Erschrecken, da ich über 60 Jahre bin, aber mich nicht in fortgeschrittenem Alter ahnte. Schon mehrere Jahre meinte ich, dass das Alter erst nächstes Jahr anfange.

 

Das war also die schlechte Nachricht der vergangenen Woche. Die gute Nachricht kam von einem Psychologen, der es gut mit der Menschheit meint. In einem Aufsatz gab er bekannt, dass sich der Mensch bis ins hohe Alter ändern kann. Nun, da die fortgeschrittene Zeit drängte, beschloss ich, sofort mit einem besseren Charakter anzufangen. Oder wenigstens am nächsten Tag. …..

 

Ja - wann ist unsere LebensZeit fortgeschritten? Wann beginnt eigentlich älter werden?

Bedenkt man doch, dass wir ab dem Moment der Geburt älter werden. 

Da gibt es verschiedenste Meinungen in Gesellschaft und Staat.

Auch unsere Familie mischt sich da gerne ein in diese Frage.

Vielleicht hat auch Ihre Nachbarschaft dazu was zu sagen. 

Das Gesundheitssystem und Krankenhäuser sehen das ganz pragmatisch und profitorientiert.

 

Damit haben wir uns tagtäglich auseinanderzusetzen und vielleicht auch gängigen Meinungen zu widerstehen, weil wir uns nicht abstempeln lassen wollen. 

Z.B. in der Arbeitswelt:

Nehmen wir das Pensionsalter. Das Pensionseintrittsalter richtet sich nicht wirklich nach „dem Alter“ oder nach individuellem Gemüts- und Gesundheitszustand. Es richtet sich nach volkswirtschaftlichen Belangen. Mal wird das Eintrittsalter hoch gesetzt, dann wieder runter. Mal fehlen Expertinnen mit langjähriger Erfahrung, mal sollen die Jungen ran. ….

 

Andererseits besteht manchmal auch besonderer Förderbedarf. Nach einer LebensKrise zum Beispiel; nach Krankheit. Da könnten wir gut eine Auszeit gebrauchen, um uns zu regenerieren.

Ja da müssen wir bis zur Pension durchhalten.

Also Sie sehen - Alter ist ein dehnbarer Begriff. 

Daher gilt es, sich ganz individuell und persönlich mit der Frage zu befassen. Wann fühle ich mich alt? Zu was fühle ich mich zu alt? Und welche Konsequenzen hat dieses Denken und Fühlen für mein Leben?

 

 

Teil II:

Im 1. Teil der Sendung LebensKunst 50+ haben wir uns die Frage gestellt, ab wann sind wir eigentlich alt?

Klar ist, dass wir ab der Geburt älter werden - aber an wann fühlen wir uns alt? Oder auch: ab wann werden wir von der Gesellschaft als alt eingestuft?

Desweiteren haben wir in aller Kürze umrissen, was der Begriff LebensKunst meint? Es ist deutlich geworden, dass Sie -liebe Hörerfamilie von Radio Maria - jede Einzelne - Expertin ist. Sie sind die Alltagsexpertin und verstehen es, Ihr Leben zu meistern.

All dies sind wichtige Faktoren in meiner Tätigkeit als Beraterin und Trainerin älterer Menschen.

  • Was fällt mir noch Wichtiges auf in der Begleitung älterer Menschen? 

Gerade bei älteren Menschen ist Erinnern ein ganz wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Identität wird durch Erinnerung geformt und Persönlichkeit wird gestärkt.

Hierbei geht es nicht darum, die Vergangenheit zu verherrlichen. 

Es geht darum,  mit Abstand - mit der Zeit - die Vergangenheit nochmal anzuschauen.

Zu schauen, was hab ich gut gemacht und was könnte ich jetzt oder morgen besser machen.

Schauen wir uns also die Vergangenheit an und gehen dann weiter zum JETZT und vielleicht zum MORGEN.

All das, was Sie geleistet haben, wo Sie Krisen gut bewältigt haben, diese Stärken in Ihnen erkennen und  benennen. 

Können Sie Ihre Stärken aus vergangener Zeit benennen? 

Können Sie sich wieder reinversetzen in die Zeit, wie Sie sich damals gefühlt haben und wie Sie schwierige Situationen bewältigt haben?

Dann geht es darum, zu überlegen, wie Sie diese Stärke von damals HEUTE und MORGEN einsetzen könnten für die anstehenden Herausforderungen. 

Auch hier wieder gilt es, zu üben - mit Geduld und Beharrlichkeit. 

Das geht immer in Begleitung mit Gebet, Meditation und In-sich-rein-fühlen.

 

Durch einen „Biographieorientierten Zugang“ - also unter Einbeziehung Ihrer Lebensgeschichte und Ihres Erfahrungswissens - ist Zukunftsplanung auf konstruktive und Sinn schenkende Weise möglich.

Schätzen Sie das, was Ihnen gut gelang wert und söhnen Sie sich mit dem aus, was nicht nach Ihrem Plan lief. So könnte Leben gelingen.

 

  • Wie kann Leben gelingen?
    In diesem 2. Teil der Sendung gehe ich lediglich auf 2 Aspekte ein, die mir - bisher zumindest - ganz wesentlich erscheinen, um friedvoll und zuversichtlich älter zu werden.
    - das ist einmal die Aussöhnung
    und zum zweiten der bewusste Umgang 
  • also „Aussöhnung“ mit sich und seinem Leben, so wie wir waren und mit dem, was wir taten - hiermit Frieden finden ist ganz erheblich 
  • und auch die Aussöhnung mit den Mitmenschen - nahen und fernen - es wird uns nicht glücklich und freundlich machen, wenn wir gramvoll älter werden, weil wir uns immer und immer wieder aufregen über Fehlverhalten Anderer 
  • ebenso wird es uns nicht leichter ums Herz, wenn wir an alten Verletzungen hängen bleiben und sogar noch tiefer bohren. Versuchen wir, uns mit uns und allen Menschen auszusöhnen.

 

  • zum zweiten möchte ich den bewussten Umgang mit dem Älterwerden betonen;
    sich also darauf aktiv und bewusst vorbereiten
    - nicht aus Angst vor dem Alter sondern aus Liebe vor der Schöpfung
    - ich als Mensch bin Gottes Ebenbild
    - mein Schöpfer hat mich wunderbar erschaffen … da kann ich doch nicht nachlässig werden … nein aus Liebe zu Gott und zu mir selbst - als seinem Kind - darf und soll ich mich sogar  mit meiner seelischen, geistigen und körperlichen Gesundheit befassen und tagtäglich trainieren … in kleinen Dingen - so wie halt „kleine“ Heilige - wie Du und ich eben ….

Meistens kommt das Alter nicht plötzlich - ich merke es auch jetzt schon mit meinen noch 47 Jahren, dass ich es ganz aktiv angehen muss, um entgegenzusteuern, 

…. wenn ich nicht noch steifer werden möchte, oder noch vergesslicher oder immer noch schlechter sehen - dann muss auch ich trainieren - bewusst Gleichgewichtsübungen machen, bewusst den Körper dehnen, bewusst in die Meditation gehen und für Gott Freiraum schaffen.

Sich bewusst auf das Alter vorbereiten, kann nicht früh genug beginnen,
aber es ist Gott sei Dank auch nie zu spät wenigstens jeden Tag ein bisschen besser darin zu werden, älter zu werden.
- ….  selbst, wenn eine plötzliche Krankheit das Leben aus der Bahn wirft - kleine Schritte ist die Devise - sich nicht mit anderen vergleichen
Nur Sie und der liebe Gott bilden eine enge Einheit - und Ihnen und Ihm zuliebe täglich ein kleines Quäntchen MEHR Mut schöpfen und lächeln ….

…. es geht ja schließlich um SIE - um IHR Leben und um IHR Älterwerden - Sie sollten es sich wert sein, täglich das Älterwerden einzuüben … in Freude und Dankbarkeit….

 

    • zu diesen beiden Aspekten - also einmal die Aussöhnung und einmal die aktive bewußte Vorbereitung auf das Älterwerden - 
  • zitiere ich nun als Beispiel Ausschnitte aus einem Interview in der Tageszeitung „Die Presse“ vom 30.01.2015. Der Journalist Wolfgang Freitag befragt den Wiener Alternsforscher Leopold Rosenmayr.

 

Der Titel: 

Vom Forschen und vom Lieben

 

Der Untertitel: 

„Man müsste den Mut haben, den Menschen zu sagen: Das Älterwerden ist kein Vergnügen.“ Der Soziologe und Alternsforscher Leopold Rosenmayr über Versäumnisse des Lebens, die Entdeckung der Achtsamkeit, Prater-Kastanien und die Lust an gebratenem Fisch. Ein Gespräch zum 90. Geburtstag.

 

 

Leopold Rosenmayr, wenn ein Alternsforscher 90 Jahre alt wird, dann ist er in der glücklichen oder auch misslichen Lage, seine Thesen am eigenen Leib verifizieren zu können. Welcher Aspekt des Alterns ist es, den sich Ihre Wissenschaftlerweisheit so nicht hätte träumen lassen?

 

Erstens hab ich nicht gesehen, wie die Beschwerlichkeit des körperlichen Daseins zunimmt. …

 

Und zweitens … … Ich hab die Beschwerlichkeit und die Bedürftigkeit des Älterwerdens unterschätzt, ich hab geglaubt, wenn man darüber weiß, so genügt das eigentlich schon.

 

Man sollte auch nicht damit rechnen, dass eine Familie automatisch Schutz und Hilfe bietet im Alter, da gibt es oft zu viele offene Rechnungen, Verletzungen, Vorwürfe und Nichtverstehen. 

 

Man müsste drittens auch finanziell Vorsorge treffen, denn das Altern ist teuer. Ich hab nicht genug darauf geachtet, was es heißt, älter zu werden. Ich konnte dem Kaufen zu oft nicht widerstehen.

 

Man müsste den Mut haben, den Menschen zu sagen: Das Älterwerden ist kein Vergnügen. Es ist eine große Anstrengung. 

Die Alltagsmerkfähigkeit nimmt ab. Ich muss mich in der Früh zusammennehmen, mich zu erinnern, was an Medikamenten ich noch nehmen soll und wo ich sie hingelegt hab. Wenn ich Ihnen zeige, wie dieses Medikamentenkastl ausschaut, werden Sie sagen: Können Sie da nicht mehr Ordnung hineinbringen? 

Aber ich hab nie auf das geachtet, was schon der heilige Augustinus gefordert hat: Ordnung im Leben zu halten. 

Das rächt sich im späten Leben jetzt sehr. 

 

Das Wichtigste ist aber, dass ich wegkomme von der Beschäftigung mit meinen eigenen Sorgen und meinen eigenen Problemen. Ich hab entdeckt, dass ich Menschen, die ich geliebt hab oder liebe, immer nur unter meiner Perspektive gesehen hab. 

Indem ich vorankommen wollte, hab ich vergessen, die anderen genauer anzuschauen. 

Ich hab Menschen, mit denen ich lebte, nicht genau genug ins Herz geschaut. Ich hab das erst jetzt, in meinen späten Jahren, gelernt. Manchmal war das auch schmerzhaft.

 

Man könnte sich das Leben als Abfolge von Weggabelungen vorstellen, an denen man sich für eines und damit gegen ein anderes entscheiden muss. …. später stehen wir dann mit einem Lebensweg da, der nur eine von sehr vielen Optionen ist, die sich im Lauf der Jahre geboten haben. An welcher Ihrer Weggabelungen würden Sie sich heute anders entscheiden?

 

Ich hätte mich nicht in der Weise scheiden lassen sollen, wie ich es getan hab. Das ist etwas, was ich heute einsehe. Ich hab über 80 werden müssen, um schließlich draufzukommen, dass man einen Menschen, den man liebt, auch erkennen und erforschen muss.

 

Das Interview geht noch weiter und es findet auch einen guten Abschluss - also es ist nicht nur schwierig und mühsam das Älterwerden aus Sicht von Leopold Rosenmayr. 

Ich kann gerne später noch mehr aus dem Artikel zitieren. 

Ich möchte hier erstmal vor der nächsten Musikpause kurze Gedanken zusammenfassen:

 

Leopold Rosenmayr ist Altersforscher. Trotzdem hat er vieles erst im Alter am „eigenen Leib“ sozusagen gelernt. Also das Alter können wir zwar wissenschaftlich erforschen, aber wie wir mit dem Älterwerden umgehen - das muss müssen wir alle selber lernen.

Er macht an mehreren Stellen deutlich, wie wichtig es ist, schon im jungen Leben die Weichen zu stellen für ein geglücktes Altern: das ist einmal sich bewusst überlegen, was könnte mir im Alter wichtig und hilfreich sein

und zum Zweiten: wie möchte ich meine Beziehungen (Familie, Freunde, Ehepartnerin) intakt halten bis ins hohe Alter. 

 

3. Teil:

Gut, im 2. Teil habe ich über die Frage gesprochen, wie Leben gelingen könnte. 

Unter anderen sind hier 2 Punkte ganz wichtig: Das Leben im Rückblick wohlwollend zu betrachten und sich auszusöhnen mit dem was war und auch mit dem, was nicht war. 

Und andererseits sich früh genug damit beschäftigen, was ist mir im Alter wichtig? Worauf könnte ich mich jetzt schon vorbereiten, um GUT und sorgenfreier älter zu werden. 

Wie nehmen Sie es damit liebe Hörerfamilie von Radio Maria? Wie bereiten Sie sich ganz persönlich auf das Alter vor?

 

 

Ich zitiere nun weiter aus dem Interview. Nun wird es um die Freude gehen. Dies scheint mir auch ein Schlüssel zu sein, um geglückt zu altern: in den kleinen  Momenten im Alltag Humor, Dankbarkeit und Freude entwickeln. 

Es heißt weiter im Text:

Wir haben viel über Defizite Ihres Altersalltags gesprochen. Woran haben Sie Freude?

 

Hinunterzugehen zu dem Mann, der die kleine Figur des Auferstandenen zusammengeflickt hat, die in meinem Schlafzimmer neben dem Bett steht. Das ist ein Kroate, einer der besten Restauratoren in Wien. Bei dem sitze ich jeden dritten Tag, krieg eine Schale Tee, dann plaudern wir. Das ist etwas, was mich freut.

 

 

…. 

Gibt es für Sie ein Leben nach dem Tod?

 

Ich lebe gerade in einer Phase, wo ich sehr darum ringe, wie ich das glauben kann. Im Glaubensbekenntnis heißt es ja: Ich glaube an das ewige Leben. Woran ich selbst glaube? Von Neuem geboren zu werden, wie es in der Nikodemus-Geschichte im dritten Kapitel des Johannes-Evangeliums steht. Das kann im bedingungslosen Miteinander sein, das kann im Zuhören sein, das kann ganz plötzlich im Alltag sein, dass du neu geboren wirst, dass du etwas neu einsiehst. Darum geht es: um das Einsehen. Ich glaube, das ist es, was den meisten Menschen schwerfällt.

 

Hier möchte ich das Interview mal kurz unterbrechen: 

Rosenmayr spricht hier m.E. etwas ganz Wichtiges an: 

die Nikodemus Erfahrung im Alltag - wenn du etwas neu einsiehst, dann kannst Du mitten im Alltag neu geboren werden. Diese Aussage ist sicherlich altersunabhängig. Aber beziehen wir sie nun mal aufs Alter … das bedeutet ja auch, dass wir alle im Alter noch dazulernen können  und dürfen.

Er hat mit seinen 90 Jahren noch nicht zu Ende gelernt. Das beeindruckt mich stark. 

Wie geht es Ihnen damit? Macht Lernen auch im Ältersein - im Alter - noch Freude? Wie lernen Sie? Was lernen Sie?

Lernen heißt ja auch z.B., sich an die veränderten Bedingungen anzupassen. Das ist ein tägliches Lernen - das ist kein schulisches Lernen - Fakten Lernen …

Sie trainieren damit Ihre sozialen, mentalen und körperlichen Fähigkeiten, sich auf jeden Tag neu einzulassen. 

3,5’ Möglichkeit für Fragen aus der Hörerfamilie ….

*Füllmaterial falls Zeit zu überbrücken ist

 

Schlusswort I (falls Zeit ist - sonst gleich Schlusswort II):

Zum Schluss möchte ich gerne zusammenfassen, was Beratung und Begleitung in christlicher Perspektive bedeuten kann:

Beratung in der Perspektive einer Christlichen Lebenskunst weiß sich in einen größeren Zusammenhang eingebettet. 

Wir Christinnen können dieses Urvertrauen in Gott haben, dass wir Seine geliebten Geschöpfe sind. Von dieser Warte aus können wir ein gelingendes Leben entwickeln und wissen uns von Hoffnung getragen. 

Es ist uns sozusagen ins Stammbuch geschrieben, das Reich Gottes hier auf Erden zu gestalten. 

Der biblisch-christliche Ansatz sieht den Menschen ganzheitlich. Die Person ist unteilbar und nur einig in Leib, Geist und Seele zu begreifen. Arbeiten wir im Coaching und in der Beratung in einer Situation z.B. „nur“ mit dem Leib, wird immer der GANZE Mensch in allen Dimensionen berührt - also auch in seiner Seelen- und Geistdimension. 

Gerade Menschen in der zweiten Lebenshälfte können sich konfrontiert sehen mit Verlusten, Ängsten, Krankheit und Leid. 

Die Kreuzigung Jesu stellt die Leidenssituation schlechthin dar. 

Die Frage des Warum - warum lässt Gott Leid zu in MEINEM, in UNSEREM, in ALLER Menschen Leben, können wir nicht beantworten. Gott – der immer Unausdeutbare – lässt sich nicht in menschlichen Maßstäben erklären. 

Das Christentum hat aber eine Theologie der Barmherzigkeit entwickelt und eine Tradition in der Begleitung Leidender eingeübt. 

Der Mensch – auch in Schwäche und Gebrochensein – ist ebenbürtiger und geliebter Mensch Gottes. Diese Dimension spendet Trost und richtet den Menschen in seiner Würde auf. Im Rahmen der Begleitung kann diese ganzheitliche Dimension einbezogen werden und BEFREIEN.

Leid und Umwege, Misserfolge und Trauer gehören auch zum Leben und können nicht einfach ausradiert werden. 

Wohl aber können wir lernen, unsere Stärken zu stärken und uns mit uns selbst und andren auszusöhnen.

Wir müssen uns nicht selbst „reparieren“.

Das Leben in Fülle zu empfangen und dankbar unser Ureigenstes dem Gemeinwohl beizusteuern ist Berufung im christlichen Sinne. 

So können wir unsere ganz persönliche Spur zu einem gelingenden älter werdenden Leben finden und zuversichtlich gehen.

 

  • In der Praxis könnte das so ausschauen: 

Sie - liebe Hörerinnen - hier und jetzt in der Sendung sind die Alltagsexpertinnen. 

Sie haben ein Anliegen, das Sie beschäftigt und Sie kennen am allerbesten die Lösung Ihres Anliegens - Ihre innere Stimme kann Sie zu einer Lösung führen. 

Um diese innere Stimme vernehmen zu helfen, gehen wir ins Gespräch einerseits und andererseits wenden wir auch kontemplative - also meditative sowie leibzentrierte und kreative Übungen an. 

Hierbei werden Sie auf mentaler, seelischer und emotionaler Ebene angeregt.

 

Schlusswort II aus einem Zitat von Jack London - einem amerikanischen Schriftsteller von Abenteuerromanen. Er lebte um die Jahrhundertwende vom 19./20.

...aber ich werde meine Tage nicht verschwenden, um sie zu verlängern. Ich nutze das Heute.

 

Und das liebe Hörerfamilie von Radio Maria Österreich und Südtirol wünsche ich uns allen - ob jung ob alt - nutzen wir das HEUTE!

1’

* Weitere Ausschnitte aus dem Interview mit Leopold Rosenmayr

Wie religiös sind Sie?

 

Ich beginne es langsam anzugehen. Ich war zwar Mitbegründer der katholischen Hochschuljugend, mit Hans Tuppy und Fritz Heer gemeinsam, bin auch literarisch und theologisch sehr interessiert gewesen, aber mein Herz hat die Religion nur sehr wenig erreicht. Hier in St. Thekla, in der Piaristenpfarre, da sind zwei Priester, die ich sehr schätze. Was sie sagen, das ist etwas, was man sich anhören kann. Es ist von großer innerer Anteilnahme und ihrem eigenen Charisma bestimmt. 

 

Sie sehen auch hier - der große Wissenschaftler, der sich auch selber mit theologischen Fragen befasst hat, fühlt sich durch das Charisma und durch die große innere Anteilnahme zweier Priester Persönlichkeiten in seinem religiösen Herz berührt. Wir bemerken wieder, wie wichtig es ist, Faktenwissen am Leben auf seine Brauchbarkeit zu prüfen. Fakten berühren selten ein Herz - aber das Zeugnis und authentische Glaubensvermittlung können überzeugen und verbinden. Auch wir können uns noch im fortgeschritteneren Alter im Herzen berühren lassen - auch wenn wir vielleicht mit dem Glauben / mit Gott gerungen haben - ein Leben lang. Für Gott ist es nie zu spät!

1,5’

Möglichkeit für Fragen aus der Hörerfamilie ….

 

Haben Sie schon einmal gedacht: Ich wäre lieber tot?

 

Es gibt Augenblicke, in denen das Leben mir schwer erscheint. Und dann wieder kommt Elfi [seine Verbündete sozusagen] mit ihrer unverbrüchlichen Zuneigung. Egal, was passiert. Ich habe das Gefühl, ich werde geliebt, umsorgt und gebraucht. Ich möchte jedes Frühjahr beim Lusthaus die Kastanien blühen sehen. Und manchmal esse ich ganz gern gegenüber, in der Waldviertler Stube, einen gebratenen Fisch, mit Elfi zusammen, und wir freuen uns auf etwas, zum Beispiel auf ihre Lesung. © DiePresse.com

 

Was uns am Leben halten kann, sind also liebende Beziehungen, Naturerfahrungen, ein gutes Essen in Geselligkeit und kleine Traditionen. 

 

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