5 Sprachen des Verzeihens

Gary Chapman, 5 Sprachen des Verzeihens, Kommunikation in Partnerschaft
Gary Chapman, 5 Sprachen des Verzeihens, Kommunikation in Partnerschaft

„Lebenskunst 50+“ 3. Teil  VERZEIHEN

Die 5 Sprachen des VERZEIHENS

Radio Maria 14.03.16 Lebenshilfe

 

 

 

Als Podcast hier zum Nachhören.

 

 I Einleitung

 

liebe Hörerfamilie - Ich darf Sie in dieser Fastenzeit recht herzlich begrüßen zu unserer 3. Sendung zum Thema LEBENSKUNST 50+.

Dieses Mal befassen wir uns mit dem Thema VERZEIHEN.

 

Verzeihen - wozu? Um Vergebung bitten - warum?

Gerade im Alter werden Verzeihen und Vergeben noch dringlichere Themen. Wir haben nun mehr Zeit, zurück zu schauen und unser Leben neu und anders zu bewerten. Wir merken, hie und da haben wir Menschen verletzt oder sind selbst verletzt worden. Jetzt besteht noch die Chance, Frieden und Versöhnung zu stiften. Wir wollen in unserem Leben „aufräumen“. Einiges wieder grade biegen, damit wir mit einem ruhigen Gewissen die 2. und sozusagen 3. Lebenshälfte begehen können. Einige von uns sind nun von Krankheiten gezeichnet und wir wissen jeden Tag bis zum Lebensende noch mehr wertzuschätzen als früher. Dazu gehört, dass wir unsere Liebsten um Entschuldigung bitten wollen, für Leid, das wir verursacht haben. Wir wollen ihnen genauso vergeben, was sie uns angetan haben. Versöhnung, Heilung, Vertrauen und Liebe - dies alles können wir versuchen, wieder aufzubauen - indem wir uns selbst befragen: wem haben wir Leid verursacht? 

Stellen wir uns der Herausforderung. Es lohnt sich immer um unserer Liebsten und unser Selbst willen. 

 

In dieser Sendung im Rahmen der Themenwoche zu Barmherzigkeit und Versöhnung wollen wir uns also mit den „5 Sprachen des Verzeihens“ beschäftigen. Dieses Konzept hat Dr. Gary Chapman zusammen mit Jennifer Thomas entwickelt. Gary Chapman ist Seelsorger in einer nordamerikanischen christlichen Gemeinde. Einige von Ihnen kennen vielleicht sein Buch: die 5 Sprachen der Liebe. Analog hat er nun also zusammen mit der Therapeutin Jennifer Thomas die „5 Sprachen des Verzeihens“ verfasst und im christlichen Verlag francke veröffentlicht. 

Wir werden zunächst Grundsätzliches zum Themenkomplex Barmherzigkeit, Reue, Entschuldigen und Vergeben hören. 

Des weiteren lernen wir die einzelnen Sprachen kennen, also Arten und Weisen, sich zu entschuldigen. 

Wir werden auch vom „Zyklus des Verzeihens“ hören. 

Dieser besteht aus: Tat, Entschuldigung, Vergebung. Hieraus können Vertrauen und Versöhnung entstehen. 

 

Wir werden Beispiele aus der Praxis hören und mit einigen Fragen versuchen, unsere eigene Sprache des Verzeihens und die der anderen zu erkennen und zu lernen. 

Es ist uns wichtig, die Sprache des Verzeihens unserer Liebsten in Ehe, Familie und Freundschaften, unserer Arbeitskollegen und Kolleginnen, der Menschen in unserer Nachbarschaft, einfach aller zu lernen, um versöhnt und in guten Beziehungen zu leben. Es ist auch ganz wichtig, dass wir uns selber verzeihen, damit wir uns ganz und heil fühlen. Wenn wir uns selbst lieben und uns gut mit uns fühlen, dann können wir auf andere zugehen und ihnen beistehen und dienen. 

 

Zu mir ganz kurz für diejenigen, die mich noch nicht kennen.

 

Meine Klientinnen und Klienten haben ein Anliegen zu einem bestimmten Thema des Älterwerdens. Ich als Coach begleite sie dabei, dass ihr Leben leichter wird. Da ich im Internet berate und eine Webseite betreibe zum Thema „Lebenskunst ab der Lebensmitte“ können sie mich von überall ankontaktieren.

Einige Stationen auf meinem beruflichen und persönlichen Weg:

Ich gab z.B. einen Spezialkurs für die Erzdiözese Wien zu „Spiritualität 50+“.

Früher arbeitete ich als Moderatorin und Redakteurin bei RMS in Bx. Ein schöner Gruß nach Südtirol.

Anschließend war ich als Referentin für Lebenskunst an der Katholischen Akademie in Frankfurt a.M. tätig. 

In dieser Zeit absolvierte ich den Würzburger Fernkurs in Theologie.

Mein Mann und ich leben mittlerweile in Österreich, im Burgenland. 

Ich bin evangelisch getauft und 2001 in Berlin zur Katholischen Kirche konvertiert. In dieser Gemeinde bin ich der pallottinischen Unio beigetreten,

 

Und zu meinem ALTER: ich bin 48 Jahre - also noch nicht 50+! …. aber bald :-) …So möchte ich mich früh genug vorbereiten mit dem Älterwerden. 

Ich möchte von Ihren Erfahrungen, werte Hörerinnen und Hörer, lernen.

Und auch heute möchte ich von Ihnen zum Thema Verzeihen lernen! 

 

Das Thema unserer Sendung „Die 5 Sprachen des VERZEIHENS“ und zwar ganz praktisch aus Sicht des Seelsorgers Dr. Gary Chapman und der Therapeutin Jennifer Thomas. 

 

Grundsätzliches vorneweg:

 

Bevor wir uns die einzelnen Sprachen anschauen, etwas Grundsätzliches zum Thema Verzeihen und Vergebung. Dies war dem Autorenduo so wichtig, dass sie diese Gedanken an den Anfang und das Ende ihres Buches gesetzt haben. Und für uns Katholiken, die wir uns im Hl. Jahr der Barmherzigkeit befinden, sind diese Vorüberlegungen sehr bedeutend.

 

Wir Christen und Christinnen neigen dazu, vorschnell zu vergeben, weil wir barmherzig sein wollen. Wir denken: vergeben ist vergessen. 

Aber dem ist nicht so. Die menschliche Psyche funktioniert anders. 

Vergeben heißt nicht vergessen. Nach einer Vergebung kann es lange Zeit brauchen, bis Vertrauen wieder hergestellt ist und echte Versöhnung stattfinden kann. 

Vertrauen entsteht dann, wenn die Leidtragenden merken, dass die Person, die sie verletzt hat, wirklich bereut, um Entschuldigung bittet und sich dann wirklich ändert. 

Verletzte Menschen dürfen gut auf sich aufpassen, damit Vergebung nicht kontraproduktiv gegen sie selbst wirkt, indem sie Kränkungen einfach nur in sich hineinfressen. Das ist auch im christlichen Sinne keine echt gemeinte Vergebung, der eine Versöhnung von Beziehungen und eine Heilung von Kränkungen folgen kann. 

 

Ein Blick in die Bibel bestätigt es: 

Mt 6,15:

Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Eph 4,32:

Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat.

Lk 23,34:

Jesus aber betete: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Römer 12,19:

Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern lasst Raum für den Zorn (Gottes); denn in der Schrift steht: Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr.

Römer 3,22-26:

die Gerechtigkeit Gottes aus dem Glauben an Jesus Christus, offenbart für alle, die glauben. Denn es gibt keinen Unterschied: 23Alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren. 24Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus. 25Ihn hat Gott dazu bestimmt, Sühne zu leisten mit seinem Blut, Sühne, wirksam durch Glauben. So erweist Gott seine Gerechtigkeit durch die Vergebung der Sünden, die früher, in der Zeit seiner Geduld, begangen wurden; 26er erweist seine Gerechtigkeit in der gegenwärtigen Zeit, um zu zeigen, dass er gerecht ist und den gerecht macht, der an Jesus glaubt. 

Joh. 1,8-10:

8Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns. 9Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht. 10Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns.

 

Wenn wir unsere Schuld bekennen, vergibt Gott uns unsere Sünden. 

Also erst die Reue, dann die Bitte um Entschuldigung, dann die Vergebung. 

Jesus hält seine Jünger an, Menschen, die gesündigt haben, zu vergeben, da sonst Gott den Jüngern ihre Schuld nicht vergibt. 

Ja - Gott vergibt uns - so sollen wir Menschen es auch machen - aber dazu gehört, dass sich der Mensch, der verletzt hat, seiner Schuld bewusst wird, um Vergebung bittet und sich verändert. 

Das ist der Dreh- und Angelpunkt. Die Umkehr! Dieses Buch „Die 5 Sprachen des Verzeihens“ von Chapman und Thomas ist daher hervorragend für die Fastenzeit!

 

Wenn wir sehen, dass sich der andere nicht ändert, dass er seine Schuld nicht erkennt, dass er nicht bereut, dann sollen wir uns immer vergebungsbereit zeigen und nicht den anderen erbarmungslos verurteilen. Wir können für unsere Peiniger beten und Gott bitten, dass er ihnen zur Einsicht und Umkehr verhilft. Wenn wir dieses Unrecht getrost in Gottes Hände legen, können wir gewiss sein, dass Gott Gerechtigkeit und Vergebung walten lassen wird. 

Vergeben wir, ohne dass der andere Mensch Reue zeigt, dann hat er keine Chance, zu lernen. Dann kann der andere sein Gewissen nicht formen, weil wir es ihm abgenommen haben. 

Wir sind aber weiterhin so verletzt, dass die Beziehung an sich nicht versöhnt und geheilt ist. Und darum geht es im Endeffekt bei der Vergebung. Wenn wir vergeben, können verletzte Beziehungen wieder heilen. 

 

Bevor ich Ihnen im 2. Teil die Sprachen einzeln vorstelle, wäre noch voranzustellen, was die Autoren denn mit „Sprachen des Verzeihens“ überhaupt meinen.

Sie meinen im vorliegenden Konzept die verschiedenen Arten und Weisen, sich zu entschuldigen. Das Autorenduo hat diese in ihrer Beraterpraxis jahrelang gesammelt und aufbereitet. Ihnen ist aufgefallen, dass Entschuldigungen durch schuldig gewordene Menschen oftmals einfach verpuffen. Geschädigte Personen nehmen ihrerseits oftmals gar nicht den Versuch wahr, dass der andere um Verzeihung gebeten hat.

Alle bleiben verletzt, gekränkt, traurig, verärgert oder wütend zurück. 

Der eine, der behauptet, er habe sich doch entschuldigt und die andere, die der Ansicht ist, dem Schuldigen ist alles egal. 

Also auch wenn Menschen durchaus vergebungsbereit wären, können sie ja in ihrer Logik erst dann vergeben, wenn der andere sich auch wirklich entschuldigt hat. 

Sie sehen, wie wichtig es für beide Seiten also ist, die eigene Sprache des Verzeihens zu kennen und die des Gegenübers zu verstehen und zu sprechen. Denn dann kann vergeben werden und die Beziehung wieder heilen. 

 

 

II Vorstellung der „5 Sprachen des Verzeihens“

 

Nach dieser Pause darf ich die Neuhinzugekommenen recht herzlich begrüßen in der Sendereihe Lebenshilfe zum Thema die „5 Sprachen des Verzeihens“. Ein Buch des Seelsorgers Dr. Gary Chapman und der Therapeutin Jennifer Thomas. 

 

Wir haben bisher etwas Grundsätzliches zum Thema Entschuldigen, Verzeihen und Vergeben gehört. Nämlich dass ohne Reue des Schuldigen auch der Christ, die Christin nicht einfach vergeben muss, wenn die Verletzung weiterhin anhält. Dass Christgläubige aber wohl sich immer vergebungsbereit zeigen und für den anderen beten sollten, dass Gott den Schuldigen zur Einsicht und Umkehr führe.

Und wir haben kennengelernt, dass „die 5 Sprachen des Verzeihens“ keine Sprachen im eigentlichen Sinne meint, sondern die verschiedenen Möglichkeiten, sich zu entschuldigen. Diese sind erlernbar - eigentlich genau wie eine Fremdsprache :-)

….

Wenn ich nun konkret die Sprachen vorstelle, achten Sie vielleicht ein bisschen darauf, von welchen Aussagen Sie sich am meisten angesprochen fühlen. Das ist dann ein guter Hinweis darauf, zu welcher Sprache Sie neigen. 

 

Nun also die einzelnen Sprachen des Verzeihens:

 

1.

Die erste Sprache ist übertitelt mit: „Das Eingeständnis“ und diese Entschuldigung wird eingeführt mit den Worten: Es tut mir Leid!

 

Diese Sprache der Entschuldigung drückt aus, dass die Person eingesehen hat, einen Fehler begangen zu haben und dass sie darunter leidet. 

Die Person, der ich Schaden zugefügt habe, fühlt Schmerz. Wenn ich nun mit-leide, kann das den anderen erleichtern. Hier ist echtes mit - leiden gemeint und nicht einfach nur Mitleid. 

Derjenige, der schuldig geworden ist, bedauert es zutiefst, der anderen Person weh getan zu haben. 

Die Person, die verletzt wurde, kann die Entschuldigung gut annehmen, wenn dem Gegenüber ganz konkret bewusst wurde, was er falsch gemacht hat. Das entlastet die verletzte Person und sie verzeiht dem Anderen seine Missetaten, weil sie sich verstanden fühlt. 

Derjenige, der verletzt hat und dem es Leid tut, darf nun nicht den Fehler begehen, es dem Gegenüber heimzahlen zu wollen. Der Entschuldigung darf kein „aber“ folgen … „ja ich habe es aber nur gemacht, weil du mir das und das angetan hast“ z.B. 

Eine Schuldzuweisung verwandelt die Entschuldigung in einen Gegenangriff. Wir dürfen keine Gegenleistung im Moment der Entschuldigung erwarten. Das wäre manipulativ. Ebenso würden wir versuchen, zu manipulieren, wenn wir uns nur entschuldigen, um unsere Ruhe zu haben. Die Entschuldigung kommt nur dann echt rüber, wenn die Tat eingestanden wird ohne wenn und aber und wenn sie bereut wird. 

 

Die erste Sprache also „Das Eingeständnis“ und die Worte: Es tut mir Leid!

Wo haben Sie - liebe Hörerfamilie - das schon erfahren? Kennen Sie das auch? Fällt es Ihnen leicht? Was passierte dann, als Sie es gemacht haben?

 

2.

Die 2. Sprache des Verzeihens ist übertitelt „Die Verantwortung“ und wird eingeführt durch die Worte: „Es war mein Fehler!“

 

Wer diese Sprache spricht, wünscht sich vom anderen, dass er oder sie Verantwortung zeigt für falsches Handeln und diesen Fehler eingesteht. 

Das ist gerade für Menschen mit schwachem Selbstwertgefühl ganz schwer. Einen Fehler einzugestehen bedeutet für diese Menschen, Schwäche einzugestehen. Sie können aber gerade dadurch, dass sie ihre Fehler erkennen und dem anderen bekennen, Stärke lernen. Es gehört ganz schön viel Mut dazu, Verantwortung zu übernehmen, für das, was wir verbockt haben. 

Auch hier heißt es wieder, nicht zu versuchen, seine Fehler durch Ausreden zu erklären oder zu rechtfertigen. Wir wollen damit schnell mal dem Anderen die Schuld zuschieben. Nämlich der Person, der wir ja Schaden zugefügt haben. Wenn wir allerdings offen unsere Fehler eingestehen und dafür Verantwortung übernehmen, dann können Menschen, die diese Sprache des Verzeihens sprechen, uns leichter vergeben. 

Also wenn wir jemanden verletzt haben z.B. durch harsche Worte, dann mag der Auslöser zwar berechtigt sein, weil wir uns wirklich über etwas aufgeregt haben, Wir haben aber nicht das Recht, den anderen dann gerade erst recht zu verletzen mit lauten bösen verletzenden Worten. In einem Streit z.B. sagt die eine etwas, was den anderen ärgert. Der reagiert überhitzt und wird laut, böse und ungerecht, was die andere Person ungemein verletzt. Natürlich sind da beide Schuld - jeder auf seine Art. Jeder Ärger mag auch berechtigt sein. Aber wenn wir es dem anderen einfach nur heimzahlen und einfach so weitermachen, kann die verletzte Beziehung nicht heilen und es kommt nicht zur Versöhnung. 

Hier heißt es, Schuld einzugestehen und zu sagen, dass man falsch reagiert hat. In einem weiteren Schritt - nach der Vergebung - wenn alles wieder ruhig ist, dann können beide gemeinsam versuchen, dem anderen jeweils zu erklären, was genau verletzt hat. 

 

Die 2. Sprache des Verzeihens also „Die Verantwortung“ und die Worte: „Es war mein Fehler!“

Manchen von uns fällt es schwer, das zu sagen: wie schwer oder leicht fällt es Ihnen, liebe Hörerin, lieber Hörer?

 

3.

Die 3. Sprache des Verzeihens hat den Titel: „Die Wiedergutmachung“ und wird eingeleitet durch die Frage: „Wie kann ich das wieder gut machen“?

 

Menschen, die sich so entschuldigen, ist es wichtig, dass sie zugefügtes Leid ausgleichen, indem sie für den Schaden aufkommen. Sie bezeugen ihre Reue, indem sie eine Wiedergutmachung anbieten. Hier folgt eine Tat der Entschuldigung. Die Bitte um Vergebung bleibt also nicht nur wörtlich, sondern sie hat ganz praktische Folgen. Die schuldige Person tut dem Geschädigten etwas Gutes als Ausgleich, um den Schaden zu begrenzen. 

Verletzte Menschen fühlen sich häufig ungeliebt. Wer diese Sprache des Verzeihens spricht, fühlt sich geliebt, wenn der andere die Dinge wieder gerade biegt. Wenn er materiell oder ideel der geschädigten Person etwas zurückerstattet. Dann kann die verletzte Person auch gerne vergeben.

An dieser Stelle erinnert der Seelsorger Gary Chapman an die „5 Sprachen der Liebe“. Denn es ist ganz individuell verschieden, wie sich Menschen wünschen, dass Unrecht wieder gut gemacht wird. Die einen fühlen sich von einer Art und Weise mehr angesprochen als von einer anderen

Die Einen wünschen sich Lob und Anerkennung, die 1. Sprache der Liebe. Andere wiederum schätzen Hilfsbereitschaft und Gefälligkeiten, die 2. Sprache. Manche fühlen sich geliebt durch die 3. Sprache, nämlich durch Geschenke. Weitere fühlen sich angenommen, indem der Partner / die Partnerin ihnen in der 4. Sprache ungeteilte Aufmerksamkeit und gemeinsame Zeit schenkt. Diejenigen, die die 5. Sprache der Liebe sprechen fühlen sich durch Zärtlichkeiten geliebt.

 

Die 3. Sprache des Verzeihens also „Die Wiedergutmachung“ und die Frage: „Wie kann ich das wieder gut machen“?

Liebe Hörerinnen und Hörer - haben Sie das auch schon jemanden gefragt? Versuchen Sie selber auch, den Schaden eines Fehlers zu begrenzen? Wie machen Sie es? Wie entschuldigen Sie sich?

 

4.

Nun zur 4. Sprache des Verzeihens: Der Sinneswandel und der Satz: „Es soll nicht wieder vorkommen“. 

 

Hier wird deutlich, dass es den verletzten Menschen darum geht, dass derjenige, der verletzt hat, seinen Fehler bekennt, umkehrt - also sich verändert und vor allem, dass er oder sie es nicht wieder macht. 

Bei dieser Sprache ist es wichtig, dass diejenigen, die sich etwas zuschulden haben kommen lassen, zuerst bereuen und dann aber in die Zukunft schauen und bekunden, dass sie versuchen, sich zu ändern. Ein deutliches Signal wird von den Menschen erwartet, die diese Sprache sprechen. Allein schon auszusprechen, öffentlich zu bekennen, dass man versucht, es nicht wieder falsch zu machen, langt oftmals schon, um die verletzte Person zu besänftigen. Niemand ist perfekt. Das ist jedem klar. Aber die erklärte Absicht, den Fehler nicht nochmal zu begehen, ist sehr viel wert in den Augen der Menschen, die die 4. Sprache sprechen. 

Menschen, die ernsthaft versuchen, sich zu ändern, haben es oftmals schwer, wenn die Absicht nebulös und vage bleibt. 

Sie sollten sich einen konkreten Plan erarbeiten, wie sie die erklärte Absicht auch umsetzen können in kleinen Schritten.

Eine Methode könnte z.B. sein, sich alles schriftlich festzuhalten, was ich verändern möchte und in Ich-Sätzen schreiben. 

Wenn es zu Rückschlägen kommt, dann hilft es, sich umgehend zu entschuldigen. 

Menschen wollen gerne vergeben, weil sie ja die Beziehung wieder herstellen wollen. Wenn das Vertrauen aber immer wieder von neuem gebrochen wird, braucht es viele kontinuierliche Beweise der Besserung. 

 

Die 4. Sprache des Verzeihens also: „Der Sinneswandel“ und der Satz: „Es soll nicht wieder vorkommen“.

Kennen Sie das auch liebe Hörerfamilie? Wer in Ihrem Umfeld sagt dies, um sich zu entschuldigen? Sagen Sie es selbst vielleicht auch dem andren?

 

5. und letzte Sprache

„Die Vergebung“ und die Frage: „Willst Du mir vergeben?“

 

Hierbei wird gewünscht, dass der Schuldige explizit darum bittet, dass ihm oder ihr vergeben wird. 

Wenn jemand den anderen um Vergebung bittet, sieht er ein, dass er in der Schuld des anderen steht. Durch Schuld entsteht ja eine Kluft in den Beziehungen. Menschen wollen gerne vergeben, um diese Kluft zu überbrücken. Also ist eine Entschuldigung ein direkter Versuch, diese Brücke zum anderen hin zu bauen. Wenn jemand nun darum bittet, dass ihm verziehen wird, ist dieser Person klar geworden, dass er sich etwas zu Schulden kommen lassen hat. Die schuldige Person gibt ihre Zukunft in die Hand des Anderen, der verzeiht. 

Es gibt Menschen, denen es schwer fällt, um Verzeihung zu bitten, da sie Kontrolle abgeben. Gerade dominante Persönlichkeiten wollen die Zügel in der Hand halten und sich nicht abhängig machen davon, ob der andere vergibt oder nicht. 

Auch ängstliche Menschen können Schwierigkeiten damit haben, um Vergebung zu bitten, weil sie sich vor einer Abfuhr fürchten; weil sie Angst haben, dass ihnen nicht vergeben wird und dass sie verstoßen werden. 

Ebenso perfektionistischen Menschen kann es Probleme bereiten, den anderen um Verzeihung bitten zu müssen. Sie denken ja, einen Fehler begangen zu haben, legt offen zu Tage, dass sie versagt haben. 

Gerade Fehler zu machen, macht einen Menschen aber erst zum Menschen. 

Erwachsene, denen es nicht leicht fällt, andere um Vergebung zu bitten, sollten sich vor Augen führen, welche Stärke es bedeutet, wenn sie es lernen.  

Vergeben kann nicht eingefordert werden. Es ist eine Bitte, kein Befehl. Jeder Mensch hat das Recht, Vergebung zu verweigern. Es ist ein Akt der Barmherzigkeit zu vergeben. Wer nicht vergeben kann, hat einfach noch kein Vertrauen in den andren aufgebaut. Das ist oftmals auch berechtigt. Wer z.B. wiederholt geschädigt wird, kann über die Folgen dieser Schädigung nicht einfach hinweg sehen. Bei solch einer massiven Störung der Beziehung; der Vertrauensbasis, ist es ratsam, wenn sich beide Personen gemeinsam oder  jeder allein in professionelle Hilfe begibt. Die körperlichen und seelischen Schäden sind nicht zu unterschätzen. Es wird Gründe haben, warum eine Person dann nicht vergibt. Sie sollte nicht alleine gelassen und als unbarmherzig verurteilt werden. Menschen möchten ja in harmonischen Beziehungen leben. Aber immer wieder über schlimme verwerfliche Taten hinwegsehen, kann für das Opfer erheblichen Schaden anrichten. Und die Täter werden dann nicht zur Rechenschaft gezogen. Dem Opfer ist hier zu helfen, damit Seele und Körper wieder genesen. Dafür sind gerade die kirchlichen Dienste der Seelsorge sehr heilsam. Geschädigten Menschen kann geholfen werden, indem sie die Nächstenliebe der Gemeindemitglieder, der Familie, der Freunde spüren. 

Welche Erfahrungen haben Sie dazu gemacht. Vielleicht unmittelbar in Ihrer Heimatgemeinde?

Die 5. Sprache also „Die Vergebung“ und die Frage: „Willst Du mir vergeben?“

 

 

III Wie wir unsere eigene Sprache des Verzeihens und die des Andren herausfinden

 

Liebe Hörerfamilie nun thematisieren wir, wie wir die eigene Sprache und die des anderen erkennen und sprechen lernen.

Als Sie den Ausführungen zugehört haben, war Ihnen da eine Formulierung besonders vertraut? Erkannten Sie sich wieder? Wissen Sie, welche Entschuldigung Sie hören wollen, um verzeihen zu können?

Die Autoren haben in ihrer Beratung Umfragen gemacht und festgestellt, dass die meisten Beziehungskonflikte dadurch entstehen, dass die Beteiligten unterschiedliche Sprachen des Verzeihens sprechen. 

Stellen Sie sich das mal vor! 

Würden also die Partner die jeweilig andere Sprache lernen, könnten ganz viele Beziehungen gerettet werden! 

Leider ist es - laut ihren Umfragen - auch meistens so, dass Partner unterschiedlichste Sprachen sprechen. 

Also ist es uns ja geradezu ein Anliegen, unsere eigene Sprache zu erkennen, um dem andren mitzuteilen, was wir BRAUCHEN. 

Darüber hinaus ist es uns auch wichtig, in der Sprache zu sprechen, die das Gegenüber versteht, um Konflikte zu lösen. 

Im Buch gibt es dafür einen eigenen Test. Das Autorenduo ist aber auch davon überzeugt, dass man schon merkt, wohin man tendiert, wenn man die einzelnen Aussagen hört. 

 

A. Das Autorenduo gibt Fragen mit auf den Weg, um die eigene Sprache zu ermitteln.

Das sind folgende 3:

 

1. Was soll der andere sagen oder tun?

Also wann bin ich geneigt, dem anderen zu verzeihen? 

Was brauche ich, damit ich vergeben kann? 

 

2. Was verletzt mich am meisten daran?

Was an dieser Situation tut mir so weh? 

Das hilft besonders dann, wenn die andere Person sich noch nicht entschuldigt hat bzw. wir meinen, dass er oder sie sich noch nicht so richtig entschuldigt hat. Wenn wir einfach noch nicht vergeben können. Dann ist da noch was offen. 

Was ist das?

 

3. Welche Sprache benutze ich selber, wenn ich mich entschuldige?

Wenn ich mich bei anderen entschuldige, welche Sprache benutze ich dann ganz spontan?

 

B. Wie kann ich nun erkennen, welche Sprache der andere spricht?

Das ist zugegebenermaßen Detektivarbeit. Aber sie lohnt sich!

Auch gibt es wieder 3 Fragen. Und zwar folgende:

 

1. Denken Sie darüber nach, wie der Betreffende sich bei Ihnen entschuldigt hat.

Welche Sprache des Verzeihens kam vor?

Welche Sprache fehlte?

Also: Denken Sie darüber nach, wie der Betreffende sich bei Ihnen entschuldigt hat.

 

2. Wenn Sie jemanden verletzt haben, dann sagen Sie: „Es tut mir Leid, was ich getan habe. Aber sage mir doch, was Dich am meisten schmerzt, was ich Dir angetan habe?“

Also was tut Dir am meisten weh?

 

3. Falls die Antwort nicht aussagekräftig genug ist, fragen Sie darüber hinaus: „Was sollte ich tun oder sagen, um es Dir leichter zu machen, mir zu vergeben?“

Einfach geradeheraus fragen, was der anderen BRAUCHT?

 

Es ist hilfreich, wenn wir lernen, alle 5 Sprachen zu sprechen. Viele von  uns sind zweisprachig. Damit eine Entschuldigung also komplett wäre für den anderen, kann es gut sein, dass wir mehrere Sprachen benutzen müssen. 

Das Wichtigste in allem ist allerdings die Glaubwürdigkeit. Also nur die Sprachen auswendig lernen und mit dem Kopf anwenden, damit werden wir nicht weit kommen. Die Versuche, uns zu entschuldigen, müssen vom Herzen her kommen. Niemand wird uns dann einen Strick daraus drehen, wenn wir die Sprache nicht ganz getroffen haben, wenn wir uns entschuldigungsbereit zeigen. Wenn wir also versuchen, auf den anderen einzugehen und uns bemühen, die andere Sprache anzuwenden. 

 

 

 

IV. Zusammenfassung 

 

Die erste Sprache ist übertitelt mit: „Das Eingeständnis“ und diese Entschuldigung wird eingeführt mit den Worten: Es tut mir Leid!

Die 2. Sprache des Verzeihens „Die Verantwortung“ und die Worte: „Es war mein Fehler!“

Die 3. Sprache hat den Titel: „Die Wiedergutmachung“ und wird eingeleitet durch die Frage: „Wie kann ich das wieder gut machen“?

Die 4. „Der Sinneswandel“ und der Satz: „Es soll nicht wieder vorkommen“.

Die 5. und letzte Sprache schließlich: „Die Vergebung“ und die Frage: „Willst Du mir vergeben?“

 

 

V. Exkurse

 

1. Beichte

Zur Beichte steht im Buch selbst nichts, da der Autor Baptist ist und daher nicht die Freisprechung durch einen geweihten Priester kennt.

In der Beichte geht es darum, dass wir erst unser Gewissen beforschen und es uns aufrichtig Leid tut, was wir Gott, anderen Menschen, der Welt, der Kirche  und uns selbst angetan haben. Das entlastet uns, weil wir unsere Fehler erkannt haben und BEKENNEN. 

Der Priester kann uns in seiner Vollmacht von unserer Schuld freisprechen. Er könnte uns nicht freisprechen, wenn wir nicht proaktiv unsere Vergehen gebeichtet hätten. 

Nach diesem Freispruch fühlen wir uns erlöst, geheilt und ganz. Wir sind wieder eins mit Gott, den Menschen und uns selbst. Die Beziehung ist wieder hergestellt.

 

2. Barmherzigkeit - menschlich - göttlich

Einen Punkt möchte ich nochmals gerne besonders herausstreichen: 

Missverstehen wir menschliche Barmherzigkeit nicht falsch. Wir sollen uns immer barmherzig zeigen, indem wir für Menschen beten, die uns verletzt haben. Ebenso sollen wir sie darauf aufmerksam machen, wie sehr sie uns verletzt haben. Und wir sollen uns sogar immer vergebungsbereit zeigen. 

Den anderen aber freisprechen ohne Reue schadet uns selbst, da wir weiterhin verletzt sind und die Beziehung nicht heilen kann. 

Dem anderen schaden wir auch, weil er sein Gewissen nicht formen muss. Er geht ungeschoren durch die Welt. Gnade walten lassen, darum können wir Gott für diesen Menschen bitten. 

 

3. Ein kleiner Nachtrag zum Titel der Reihe „LebensKunst 50+“

Die christliche Lebenskunst baut auf Lebenserfahrungen auf gespeist aus Hoffnung und Glauben. Wir sind vom Schöpfergott angehalten, unseren Beitrag zu einem gelingenden Leben zu leisten. Aber wir stehen nicht unter dem Leistungsdruck, uns selbst erlösen zu müssen. Wir sind Kinder Gottes und wissen uns geliebt und erlöst. 

Es geht um konkrete Fragen zur Lebensbewältigung. Was hilft mir konkret, mein Leben so zu gestalten, dass es Gott gewollt ist? Was verhilft mir zu einem gelingenden, heilen, frohen Leben? …. IHRE Erfahrungen sind gefragt, IHR praktisches Wissen zählt! Auch zu diesem Thema des Verzeihens!

 

VI Schlusswort

 

Ich darf Ihnen zum Schluss aus den Nachrichten von Radio Vatikan zitieren. Diese Nachricht befasste sich mit einer Morgenpredigt unseres Heiligen Vaters in dieser Fastenzeit. Ich zitiere in Ausschnitten:

Die Fastenzeit soll das Herz des Christen auf die Vergebung Gottes vorbereiten und ihn dazu anstiften, seinerseits zu vergeben. Das hat Papst Franziskus bei einer Morgenmesse in seiner Residenz Santa Marta kürzlich gesagt. Im Gegensatz zum Menschen sei Gottes Bereitschaft zur Vergebung grenzenlos. Im Tagesevangelium sagt Jesus auf eine Frage des Petrus, wie oft er seinem Bruder vergeben müsse: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal.

… „Wenn Gott vergibt, ist seine Vergebung so groß, dass es ist, als würde er vergessen. …. Wir vergessen nicht. Warum? Weil wir kein barmherziges Herz haben.“

Das Zwiegespräch zwischen Petrus und Jesus aus dem Tagesevangelium lehrt uns noch etwas anderes, so der Papst. „Im Vaterunser beten wir: vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Wenn du nicht dazu in der Lage bist zu vergeben, wie kann Gott dir vergeben? Er will dir vergeben, aber er kann es nicht, wenn du ein verschlossenes Herz hast, in das die Barmherzigkeit nicht hineinkommt.“

Vergeben und vergessen seien für Menschen zwei unterschiedliche Dinge, fuhr Franziskus fort. „Man kann vergeben, aber nicht immer schafft man es zu vergessen.“ Die Fastenzeit diene der Vorbereitung des Herzens, damit es die Vergebung Gottes erfahren kann – „und dann dazu bereit ist, dasselbe mit den anderen zu tun.“ „Kann sein, dass du mich nie grüßt, aber in meinem Herzen habe ich dir vergeben. Und so nähern wir uns dieser großen Sache Gottes an: der Barmherzigkeit. Wir alle haben um Vergebung zu bitten: alle. Wir vergeben, und uns wird vergeben werden.“

 

Dies wünsche ich uns allen werte Hörerinnen und Hörer von Radio Maria. Dass wir gerade jetzt noch in der Fastenzeit lernen zu vergeben und uns gewahr zu werden, dass auch uns immer wieder vergeben werden kann. 

 

Es grüßt Sie herzlich Ihre Kerstin Frei 

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